Hintergrund und Entstehung
Wie DorFuchs nach Meißen kam – und warum daraus mehr wurde
Manchmal entstehen die nachhaltigsten Bildungsprojekte nicht am Reißbrett, sondern aus einem Moment, in dem Menschen gleichzeitig spüren: Das hier hat Kraft. Das wollen wir weitergeben.
1. Ausgangspunkt: ein Abend im November 2023
Im November 2023 war DorFuchs am Franziskaneum Meißen zu Gast – eingeladen von Dr. Markus Hartlapp. Für viele war es „nur“ eine zweistündige Veranstaltung voller Mathematik und Musik. Für einige wurde dieser Abend zum Startpunkt einer Idee: DorFuchs auch nach Sankt Afra holen – und ein Format entwickeln, das über einen Abend und eine Schule hinauswirkt.
Kurz zuvor hatten Martin Brill, damals als Schüler der 7. Klasse, und Dr. Christian Feller als Lehrer für Biologie und Chemie an Sankt Afra begonnen. Gemeinsam mit einer Mitschülerin besuchten sie die Veranstaltung und fuhren begeistert zurück: Mathematik klang plötzlich zugänglich, humorvoll und mit viel Freude und großer Lust vorgetragen – und zugleich anspruchsvoll und inspirierend.
Können wir ein solches Event nutzen, um nachhaltige Bildungsprojekte anzustoßen – über einen Abend und eine Schule hinaus?
2. Vom Wunsch zur Wirklichkeit: Sommer 2025
Zwischen Idee und Event liegen Mut, Geduld und viel Arbeit. Rund anderthalb Jahre später, im Sommer 2025, kam es zu ersten Gesprächen mit Dr. Johann Beurich (DorFuchs) – vermittelt über seinen damaligen Manager Günter Bugl und Sankt Afras neuen Mathelehrer Dr. Simon Knäuer. Ab diesem Moment bekam das Vorhaben Tempo. Neben Planung und PR/Website formierte sich die musikalische Leitung aus Elenya Grummt (Harfe, Klasse 11), Vitus Herrmann (Klavier, Klasse 12) und Musiklehrer Ludwig Schrameyer, der seit zwei Jahrzehnten die musikalische Talententwicklung an Sankt Afra prägt.
Projektteam DorFuchs@Afra25
- Organisation & Konzept: Martin Brill, Georg R., Dr. Simon Knäuer und Dr. Christian Feller
- PR, Website und künstlerische Gestaltung: Lisa Richter, Richard Schlossarek und Emilina Romej
- Musikalische Leitung: Elenya Grummt, Vitus Herrmann und Ludwig Schrameyer
Parallel entwickelte sich an Sankt Afra das Konzept des Bildungsforums SPIELRAUM [27] weiter: Schule nicht nur als Unterrichtsort, sondern als Community Hub für Talententwicklung, Kooperation und verantwortungsvolles Ausprobieren. Genau hier passte das DorFuchs-Event hinein – nicht als isoliertes Highlight, sondern als Katalysator für Workshops, Netzwerke und Formate, die langfristige Entwicklungen anstoßen.
3. Sachsenweiter Ideenwettbewerb: „Dein Mathe-Song für DorFuchs“
Ein Ziel von Sankt Afra ist es, Bildungsimpulse ins Land zu geben – am liebsten solche, die junge Menschen sichtbar machen. Einen entscheidenden Impuls setzte Dr. Simon Knäuer: die Idee eines sachsenweiten Ideenwettbewerbs. Nicht nur DorFuchs sollte im Mittelpunkt stehen, sondern vor allem Schülerinnen und Schüler, die mit Kreativität und Mut eigene Mathe-Songs entwickeln. Ausgewählte Beiträge sollten gemeinsam mit ihm professionell aufgenommen werden. So wurde aus der Frage „Können wir DorFuchs nach Meißen holen?“ eine zweite, größere: „Was passiert, wenn Schülerinnen und Schüler Mathematik in ihre eigene Sprache, ihren eigenen Rhythmus und ihre eigenen Bilder übersetzen?“ Darum ging eine Einladung an weiterführende Schulen in ganz Sachsen: Lehrkräfte wurden gebeten, Jugendliche zu ermutigen, Songideen einzureichen – und Mathematik so nicht nur zu üben, sondern öffentlich zu gestalten.
Warum Musik?
- Musik verbindet Rhythmus und Melodie mit dem Gefühlsleben – und macht Ideen teilbar und gemeinsam erlebbar.
- Der Wettbewerb öffnet einen kreativen Zugang: Mathematik wird nicht nur erklärt, sondern in eine Form gebracht, die man teilen und aufführen kann.
4. Workshopformat „Mathe + X“: Mathematik als Kultur – und Kultur als Einladung zum Denken und Gestalten
Aus dem Wettbewerbsgedanken ergab sich fast zwangsläufig die nächste Erweiterung: Mathematik sollte nicht nur auf einer Bühne erklärt, sondern an einem ganzen Tag in unterschiedlichen Zugängen erfahrbar werden. So entstand das Workshopformat „Mathe + X“ – eine bewusste Einladung an Kunst, Geisteswissenschaften und andere Fachbereiche, Mathematik als kulturelle Praxis mitzudenken: sprachlich, gestalterisch, experimentell, forschend.
Wie aus dem Song-Abend ein Festtag mit Workshops wurde
- Der musikalische Einstieg war der Türöffner – danach lag der nächste Schritt nahe: Mathematik in vielen Formaten erlebbar zu machen („Mathe + X“).
- Damit öffnete sich der Rahmen bewusst für Kunst, Sprache und andere Fachbereiche – und für Beiträge aus der Schülerschaft im Peer-to-Peer-Teaching.
- Der Impuls blieb nicht auf Sankt Afra begrenzt: Über das plus-MINT-Netzwerk wurde daraus eine Einladung zum Mitgestalten und zum Austausch zwischen Schulen.
- So entstand ein gemeinsames Format: Mathematik als Kultur – sichtbar gemacht durch Workshops, Musik und Peer-to-Peer-Formate, die Lust aufs Mitdenken und Mitgestalten machen.
An der Ideenentwicklung waren unter anderem Stefan Weih (Sankt Afra), Dr. Peter Rösner (Louisenlund) sowie die plus-MINT-Lehrer Dr. Jens Viehweg und Dr. Christian Feller beteiligt; aus den Fachbereichen Kunst und Deutsch brachten sich Lisa Richter, Andrea Kotztin, Dr. Anja Krause, Anja Habsch und Jacqueline Feller ein. Wichtig war dabei von Anfang an ein Prinzip: Die Impulse sollten aus der Schülerschaft kommen – und bei Bedarf von Erwachsenen unterstützt werden. Deshalb wurden Afranerinnen und Afraner eingeladen, eigene Workshopideen einzureichen, die dann im Peer-to-Peer-Teaching für Gäste aus Sachsen und darüber hinaus erlebbar werden konnten. Die Leitfrage war: Was entsteht, wenn Schülerinnen und Schüler Mathematik fächerübergreifend und kreativ denken – und ihre Ideen öffentlich so vermitteln, dass andere Lust bekommen, mitzudenken und mitzugestalten?
Die Ziele waren gesetzt – nun ging es an die Umsetzung: Sponsoren gewinnen, Rahmenbedingungen klären, eine Website aufbauen und ein stimmiges Programm entwickeln. In dieser frühen Phase unterstützte Günter Bugl mit Kompetenz und Tatkraft. Das war für den Start enorm wertvoll – auch als Signal: Wenn Jugendliche eine Idee überzeugend tragen, finden sich Erwachsene, die sie mittragen.
Emilina Romej (Klasse 10) gab dem Projekt früh ein Gesicht: Mit Flyern und Plakaten übersetzte sie die Idee des Ideenwettbewerbs und des Festtags in eine klare, einladende Bildsprache. Richard Schlossarek (Abiturjahrgang 2024) brachte nicht nur die Website in kürzester Zeit auf den Weg, sondern entwickelte damit auch eine zentrale Struktur für das Ganze: als Plattform für Information, Einreichungen, Programm und öffentliche Sichtbarkeit – und damit als Werkzeug, mit dem viele überhaupt erst mitdenken und mitgestalten konnten. So wurde aus einer Idee ein tragfähiges Format, das nach außen kommuniziert und nach innen organisiert werden konnte.
5. September 2025: Das Netzwerk wächst
Im September 2025 – nur noch zwei Monate vor dem Event – lief das Schuljahr bereits auf Hochtouren. Gerade deshalb war es beeindruckend, wie das Projekt weiterwuchs. Ideenwettbewerb und Workshops erhielten Rückenwind aus der Region: Johannes Affeld (Freie Werkschule Meißen) sowie Heike Zimmer und Markus Hartlapp (Franziskaneum Meißen) unterstützten mit Zeit, Erfahrung und konkreten Ideen. Besonders prägend war Christopher Tropp (plus-MINT-Internatsgymnasium Louisenlund), der konzeptionelle Impulse einbrachte, ein Team in Louisenlund organisierte und die musikalische Seite maßgeblich mitgestaltete – zuverlässig, ansprechbar und immer wieder ein Hotspot an Ideen.
Zusätzliche Inspiration und musikalische Qualität gewann das Projekt durch den Verein Musaik Grenzenlos musizieren e.V., ein soziales Musikprojekt in Dresden Prohlis, sowie durch die Zusammenarbeit mit Tonmeister Paul Zöllner aus Dresden. Das Afra-PR-Team (Elena Mieth, Samira Riedel, Viona Voigt, Paul Kempe, Fabian Klockau, Malte Schroeder, Shulamit Aschoff und Josephine Hamsch) unter Leitung von Lisa Richter sorgte dafür, dass aus vielen Einzelteilen ein gemeinsames Bild wurde. Mit Bildern und Instagram-Reels machte das Team Workshopideen, Beteiligte und Zwischenergebnisse sichtbar – oft aus einer Peer-to-Peer-Perspektive und mit feinem Gespür dafür, was junge Menschen und Gäste wirklich erreicht. So wurde aus vielen einzelnen Kontakten ein tragfähiges, schul- und generationsübergreifendes Netzwerk – mit Menschen, die bereit waren, Zeit und Können einzubringen. Finanziell erhielt das Projekt in dieser Phase Rückenwind von der Sparkasse Meißen, dem Verein der Freunde und Förderer des Sächsischen Landesgymnasiums Sankt Afra sowie dem Verein zur MINT-Talentförderung e.V.
6. Workshops Mathe + X: Mathe ist überall
Währenddessen wuchs die Workshoplandschaft: Es wurde geplant, verworfen, verbessert, neu gedacht – und dabei immer stärker vernetzt zwischen Schulen und Jahrgängen. Mit jeder neuen Idee wurde deutlicher: Dieses Event ist mehr als eine Show. Es ist ein Treffpunkt – nicht nur für Menschen, die Mathematik ohnehin lieben, sondern auch für diejenigen, die sich ihr neu nähern wollen: als zweite Chance, um Mut zu schöpfen, Fragen zu stellen, eigene Zugänge zu finden und Mathematik wieder als etwas zu erleben, das man verstehen und gestalten kann.
Genau deshalb war uns bei der Workshopkonzeption wichtig, Formate zu entwickeln, die Leichtigkeit, Freude und Spaß ermöglichen – ohne die ernsthaften Seiten auszublenden: Matheängste, negative Vorerfahrungen, typische Hürden im Unterricht, aber auch Benachteiligungen, die sich etwa aus Rollenbildern, Lernzugängen oder vorgeprägten Erwartungen ergeben können. Die Workshops sollten neue Perspektiven eröffnen, ohne zu beschönigen – und zugleich so angelegt sein, dass gute Ansätze über den Festtag hinaus weitertragen: in Kooperationen, Folgeworkshops und weiteren Projekten.
Entsprechend zeigte die Workshopliste die ganze Bandbreite: lokale Künstler wie Matthias Lehmann, der Geometrie in dreidimensionale Faltkunst übersetzt; Sprachkünstlerinnen wie Marie Dömel, die abstrakte Themen in poetische Erzählungen transformiert; und Formate, in denen an mathematischen Problemen auf höchstem Niveau gearbeitet wird – wie beispielsweise Probleme der Spieltheorie und ein Workshop „Jugend trainiert für Mathematik“ (JuMa), der auf internationale Wettbewerbe vorbereitet. Dazwischen stehen Angebote, die Mathematik aus verschiedenen Bereichen des Alltags und der Wissenschaften zugänglich machen: gemeinsam denkend, ausprobierend und Schritt für Schritt vorarbeitend. Daraus ergibt sich die Erkenntnis: Mathe ist überall.
Mathe ist überall: in Spielen, in Musik, in Sprache, in Strukturen, in Entscheidungen. Mathematik ist kein abgeschlossenes, isoliertes Schulfach, sondern eine Denkweise, mit der man die Welt ordnen, hinterfragen, verstehen und gestalten kann.
7. Die letzten Wochen und Tage: Spannung und Improvisation
Die letzten zwei Wochen vor dem Event wurden – wie so oft – zur Belastungsprobe. Hinzu kamen IT-Ausfälle, die die Kommunikation in einer Phase erschwerten, in der eigentlich jede Mail, jede Liste, jede Info sitzen muss. In dieser Situation zeigte sich eine Fähigkeit, die wir an Afra oft mit dem Begriff der educated person verbinden: Viele Afranerinnen und Afraner packten spontan an, ohne viel nachzufragen. Als digitale Kanäle zeitweise ausfielen, funktionierte Koordination über Präsenz, kurze Absprachen und verlässliche Wege. Menschen lösten Herausforderungen praktisch vor Ort, leiteten Informationen weiter, sprangen ein – und sorgten so dafür, dass das System im „Gleichgewicht“ blieb, obwohl intern vieles gleichzeitig in Bewegung war.
Rückblickend war genau das ein Stück Realitätserfahrung: Gute Projekte brauchen nicht nur Ideen, sondern auch Resilienz und Improvisationsfähigkeit.
In dieser Phase zeigte sich auch, wie wichtig verlässliche technische Unterstützung ist: Richard Schlossarek half wiederholt pragmatisch bei technischen und konzeptionellen Fragen, sodass wir trotz Störungen arbeitsfähig blieben. Fabian Klockau hielt Fäden bei der PR zusammen, löste unkompliziert Probleme und half, auch kurzfristige Umstellungen umzusetzen. Unterstützt wurde er dabei unter anderem von Amelie Babinsky und Sophia Elert-Margarit, die in verschiedenen Momenten verlässlich mit anpackten.
Besonders wertvoll war in dieser gesamten Phase auch die Unterstützung von Martin Kretschmer: Er begleitete den Prozess fortlaufend als Tippgeber, Mitdenker und ruhiger Problemlöser – und wurde in den letzten Tagen zu einem entscheidenden Anker. Gemeinsam mit seinem Team (Paula Treichel, Johanna Kinde, Sarah Mehlis, Rosalie Riegel, Monika Benz, Miriam Raatz, Lydia Degenhardt und Max Kirsch) übernahm er den Empfang und die Eventlogistik und sorgte dafür, dass Ankommen, Orientierung und viele kleine Abläufe zuverlässig funktionierten.
Ein ebenso großer Dank gilt der Haustechnik, dem Küchenteam und dem Sekretariat: Sie unterstützten das Projekt hochprofessionell, behielten auch in heißen Phasen einen kühlen Kopf und blieben jederzeit zuverlässig, konstruktiv und vorausschauend. Für die Koordination mit der Küche danken wir besonders Karen Barthel.
Drei Tage vor dem Festtag, ab Sonntag, kamen die ersten Gäste auf den Campus und übernachteten bis Donnerstag im Internat. Ein Schülerinnenteam aus den Klassen 9, 10 und 12 – Samira Riedel, Karoline Hermann, Viona Voigt, Luise Keilwagen und Sarah Mehlis, unterstützt von Lisa Richter – begleitete unsere externen Übernachtungsgäste und trug wesentlich dazu bei, dass Ankommen, Orientierung und Gemeinschaftsgefühl schnell selbstverständlich wurden. Es entstand nicht nur musikalisches Programm, sondern Atmosphäre: gemeinsame Abende, Spiele, spontane Gespräche, Proben, Aufnahmen, neue Kontakte.
Die Musikproduktionen wurden zu einem eigenen Highlight – getragen von einem starken Produktionsteam des Sankt Afra Technik-Teams (Jette Scheibchen, Johann Guericke, Emil Pfeffer, Amalia Hein, Emilina Romej und Malte Nicklisch), mit Unterstützung von Fabian Klockau und Richard Schlossarek, und unter professioneller Anleitung von Tonmeister Paul Zöllner.
Und natürlich DorFuchs selbst: fachlich stark, menschlich zugewandt, präsent – jemand, der jungen Menschen nicht nur Inhalte vermittelt, sondern Zutrauen und Selbstwirksamkeit ermöglicht. Viele beschreiben genau das als den Unterschied: Es geht nicht nur um Mathematik, sondern um das Gefühl, mit der eigenen Bildungsbiographie ernst genommen zu werden – mit Fragen, Umwegen und Vorerfahrungen. Ich darf hier mitdenken – auf meine Weise. Und mehr noch: Ich kann – mit Unterstützung anderer – an mir arbeiten, wachsen und mitgestalten: nicht nur an mathematischen Fähigkeiten, sondern an Persönlichkeit – an Ausdauer, Mut, Sprache, Kooperation und Verantwortung. Mathematik wird so zum Medium bewusster Entwicklung – gemeinsam, Schritt für Schritt.
Es geht nicht nur um Mathematik, sondern um das Gefühl, mit der eigenen Bildungsbiographie ernst genommen zu werden.
8. Der Tag des Events – und ein Blick nach vorn
Am 05.11.2025 fand mit über 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern – darunter über 150 Gästen aus Sachsen und bundesweit – der „plus-MINT-Festtag der Mathematik: Afra rechnet mit DorFuchs!“ statt. Die Inhalte der 31 Workshops sind in den jeweiligen Workshopbeschreibungen dokumentiert. Unter der Rubrik „Zusatzinhalte“ stellen wir außerdem nach und nach Teams sowie Mitgestalterinnen und Mitgestalter vor und bündeln weiterführende Materialien.
So rasant das Projekt im Herbst 2025 Fahrt aufgenommen hat – und dadurch andere Verpflichtungen des Alltags zeitweise in den Hintergrund rückten – so bewusst wollen wir uns in der Nachbereitung von DorFuchs@Afra25 Zeit nehmen, das Projekt in Ruhe auszuwerten, transparent zu reflektieren und aus Workshops sowie neuen Kontakten tragfähige Folgeprojekte abzuleiten. Nicht zuletzt möchten wir die großartigen musikalischen Beiträge zu professionellen Produktionen weiterentwickeln.
Ein Beispiel ist der Workshop „Mathetalente“ von Martin Brill: Er wird als Kooperation der drei Schulen Sankt Afra, Franziskaneum Meißen und Freie Werkschule Meißen als dauerhaftes Angebot weitergeführt. Der Festtag hat dafür wichtige zusätzliche Impulse geliefert. Ein weiteres Beispiel ist das profundum „Songproduktion“: Unter Anleitung von Paul Zöllner lernen Afranerinnen und Afraner professionelle Songproduktionen – mit dem Ziel, ab Februar 2026 regelmäßig Veröffentlichungen zu realisieren. So wird eine Arbeit sichtbar, die in der Eventwoche begonnen hat und nun in Ruhe professionalisiert wird.
Der Workshop „Frauen in der Mathematik“ war für mich ein life changing moment.
In einigen Workshops waren die Rückmeldungen so inspirierend und berührend, dass seitdem aktiv daran gearbeitet wird, daraus Folgeprojekte zu entwickeln. Erkenntnisse aus dem Workshop „Frauen in der Mathematik“ von Ulrike Schneiderat und Simon Knäuer beschrieben einzelne Teilnehmerinnen als „life changing moment“: Sie erkannten, dass Mathematikunterricht in der Grundschule – unter anderem durch unpassende Lernzugänge und Erwartungsmuster – Mädchen systematisch benachteiligen kann. Studien deuten darauf hin, dass sich mathematische Leistungen von Mädchen und Jungen bis zur Einschulung nicht signifikant unterscheiden, während bereits nach kurzer Zeit in der Grundschule Unterschiede sichtbar werden und sich dann häufig verfestigen. Der Workshop bot nicht nur Deutungen für bisherige Beobachtungen, sondern auch erste Ansatzpunkte, wie Mathematikunterricht Mädchen gezielter stärken kann. Solche „life changing moments“ zeigen, wie bedeutsam Lernräume sein können, in denen Erfahrung ernst genommen wird – und in denen neue Perspektiven ganz konkret handlungsfähig machen.
In den kommenden Monaten wollen wir auf der Website weitere Workshops und daraus entstehende Folgeprojekte gezielt sichtbar machen: Was hat funktioniert? Was wird weitergeführt? Welche Kooperationen sind entstanden? So wird sichtbar, was von Anfang an die Kernidee war: Das Event ist nicht der Endpunkt, sondern der Startpunkt – ein Impuls, der Projekte anstößt, Talente verbindet und neue Räume öffnet.
Wir widmen den plus-MINT-Festtag der Mathematik „Afra rechnet mit DorFuchs!“ Günter Bugl. Er hat dieses Projekt mit Tatkraft und viel Herz unterstützt. Er verstarb überraschend nach kurzer Krankheit im September 2025.

